1. August 2021 | Gemeindeleben Leitung

Stille in dir

 

Liebe Gemeinde, liebe Freunde und Gäste,

für die meisten von uns beginnt gerade die schönste Zeit des Jahres. Einige mögen bereits an ihrem Urlaubsort angekommen sein. Wie schön es ist, nach so langer Zeit mit Einschränkungen wieder ein Stück Normalität zu genießen. Die ungeliebte Maske abzulegen, durchzuatmen, miteinander Essen zu gehen, zu lachen, am Strand zu liegen oder in der herrlichen Bergwelt zu wandern. Meine Frau und ich freuen uns jedenfalls darauf, Anfang September zusammen mit Freunden mit der Fähre nach Sardinien zu fahren. Sonne, Strand, Wasser, Erholung. Unsere Jugendlichen fahren in wenigen Tagen anderthalb Wochen in ein Gruppenhaus direkt am Nordseestrand nach Dänemark. Egal wo dein Urlaubsziel auch liegen mag, ich wünsche dir eine ganz wertvolle Zeit und dass du und wir alle gesund zurückkommen.

Neulich bekam ich mit, dass eine Mutter ganz allein eine Berghüttentour für ein paar Tage machen wollte. Meine erste Reaktion: Das ist ungewöhnlich. Vielleicht auch etwas gefährlich. Aber da es sich um eine mutige Frau handelt, die mit beiden Beinen im Leben steht, dachte ich, warum nicht. Sie sagte, sie brauche das. Einfach eine Zeit für sich. Einen gewissen Abstand zu bekommen. Das Gehirn durchzulüften. Mir fielen noch mehr gute Gründe ein. Das von Hütte zu Hütte zu wandern ist auch eine Form der Stille. Zu sich selbst zu finden, um dann auch besser “bei sich bleiben zu können”. Stille ist auch die Voraussetzung für eine Zeit mit Gott. Fakt ist doch, es gab noch nie so wenig Stille wie heute. Viele Menschen umgeben sich fast pausenlos mit Musik und Worten. Gerade las ich, dass jemand dankbar für seine AirPods sei, das sind kabellose Bluetooth Kopfhörer, die ihn täglich sechs Stunden mit Musik und anderen Beiträgen versorgen. Gemeinsame Urlaubszeiten tun gut. Für Familien mag es vielleicht gut sein, wenn der Vater die Kinder mal für einen Tag übernimmt und du als Mutter kannst dich an einen schönen, sicheren Ort zurückziehen. … um runterzukommen, um wieder Wesentliches zu entdecken und Gott in der Stille reden zu hören. Aber auch wir Männer brauchen solche Oasentermine. Denn ohne Stille werden Worte oberflächlich, Entscheidungen vorschnell getroffen und Beziehungen hohl. Johannes Hartl, der Leiter des Gebetshauses Augsburg, resümiert: “Ohne Stille wird das Leben flach.”

Ich habe im Juni vier solche Tage der Stille für mich allein erleben können. Auf dem Rad, barfuß am Ostseestrand, auf wunderschönen Bänken mit Blick aufs Wasser. Und dort durfte ich erleben, wenn es um mich herum still wird, wird es lauter in mir. Hier konnte ich auftanken, neue Kraft schöpfen, um mit Motivation wieder zu meinen Aufgaben zurückzukehren.

Die Herausforderungen des Alltags ändern sich ja meistens nicht, aber in der Stille kann meine und deine Sichtweise und Einstellung einen neuen Ansatz finden. Weil Gott mir und dir hilft, mich bzw. dich selbst und Situationen besser zu verstehen. Nach dem Sommer wartet der Alltag wieder auf uns alle. Ich wünsche uns allen, dass wir mit neuer Kraft anschließend durchstarten können und uns hoffentlich auch ohne Maske in unseren Gottesdiensten wiedersehen können.

Gott segne dich und deine Lieben!

Euer Dietrich Ebeling