24. Mai 2022 | Gemeindeleben Leitung

Versöhnung

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Freunde und Gäste,

viele haben darauf gewartet und seit Anfang April ist es da: das Ende der Maskenpflicht (in den meisten Bereichen). Die steigenden Temperaturen im Wonnemonat Mai lassen zudem auf bessere Zeiten hoffen. So dass wir uns Stück für Stück an das herantasten können, was vor der Pandemie normal war. Ich würde mir so sehr wünschen, dass wir uns wieder herzlich begrüßen, uns ungezwungen die Hand geben und uns umarmen können, wie früher. Diese wertvolle deutsche Begegnungskultur hat für mich durch den angeordneten Verzicht sogar eine neue und tiefere Bedeutung bekommen.

Viele haben auf den “Freedom-Day” (Freiheitstag) gewartet, dass möglichst alle Coronaregeln fallen. Zugegeben: Es waren schon zwei heftige Jahre voller Einschränkungen. Noch heftiger ist es jedoch, dass sich Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen auf krasse Weise auseinandergelebt haben. Auch unter Christen. Auch unter uns. Vertrauen ist zerstört worden. Freundschaften haben gelitten – manche sind sogar kaputt gegangen. Wo unterschiedliche Meinungen aufeinandergeprallt sind, haben Diskussionen den Frieden in den Familien zerstört und Ehen stark belastet. So einen tiefen Riss, so eine Krise mitten durch Gemeinden und die Gesellschaft habe ich noch nie erlebt und hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können.

Mich beschäftigt ernsthaft die Frage: Brauchen wir neben dem “Freedom-Day” vielleicht auch Ebenen, Gesten und Anlässe, in denen wir neu zueinander finden? Vielleicht so etwas wie “Versöhnungstag” oder gar Versöhnungstage, um wieder Schritte der Versöhnung und Vergebung aufeinander zuzumachen und Frieden zu schließen?

Vielleicht auch in einem Gottesdienst? An dem wir miteinander über Versöhnung nachdenken und dabei auf Jesus Christus schauen, und seine Versöhnungstat am Kreuz. Er ist doch unser Vorbild für Vergebung. War die Kluft – vom heiligen Sohn Gottes zu uns sündigen Menschen – doch weitaus größer als alle Meinungsunterschiede übers Impfen und Coronaregeln zwischen uns. Wie wäre es, wenn wir uns Zeit nehmen, demütig werden und dann zum Beispiel im Rahmen einer Abendmahlsfeier unsere Schuld symbolisch ans Kreuz bringen. Wir müssen uns dabei nicht mit der ganzen Welt versöhnen, sondern vielleicht nur mit einer Person, deren Nähe wir schmerzhaft vermissen, weil der Kontakt in den letzten beiden Jahren “verloren” gegangen ist. Und wenn es dieser Person dann ähnlich geht, kann etwas Neues, Schönes entstehen. So könnten wir uns gegenseitig neu von Herz zu Herz begegnen und unser Leben neu teilen.

Was denkt ihr dazu? Wäre das ein Weg? Ich würde mich über Rückmeldungen von euch freuen, ob ihr das für angemessen, wichtig und sinnvoll haltet.

Gerne per E-Mail an dietrich.ebeling@muehlacker.feg.de.

 

Seid freundlich und hilfsbereit zueinander und vergebt euch gegenseitig, was ihr einander angetan habt, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat, was ihr ihm angetan habt.
Epheser 4,31 Gute Nachricht Bibel

 

Wenn die Idee angenommen wird, könnte es konkret so aussehen, einen “Versöhnungstag” zu feiern – in einem der nächsten Gottesdienste mit Abendmahl, an dem ich zum Predigen eingeteilt bin.

Herzliche Grüße

Euer

Dietrich Ebeling

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